Auf schnellen Sohlen durch die Grafschaft

Sport und Geschichte – eine reizvolle Kombination. Wer sich bewegen und gleichzeitig ein wenig in die Vergangenheit eintauchen möchte, sollte sich folgendes Datum im Kalender notieren: 25. August 2019. Der Start soll in den Morgenstunden erfolgen. Für diesen Tag, ein Sonntag, ist die Premiere des Grafschaftslaufs geplant. Eine kommunenübergreifende Sportveranstaltung, die die Teilnehmer durch die Städte Schloß Holte-Stukenbrock, Verl und Rietberg führen wird.

Auf einer Distanz von 30 Kilometern haben Breiten- wie Profisportler die Chance, sich im wahrsten Sinn des Wortes die ehemalige Grafschaft Rietberg zu erlaufen. Sie bestand bis 1807 als eigenständiges Gebiet und erstreckte sich unter anderem bis Kaunitz und Schloß Holte. Der Start erfolgt dort, wo einst das Rietberger Schloss als Regierungssitz diente, nämlich am Gut Rietberg. Der Weg führt die Läufer über die Historische Rietberger Innenstadt nach Kaunitz und Schloß Holte. Zieleinlauf ist am Jagdschloss Holte in Schloß Holte-Stukenbrock. Sportler, für die 30 Kilometer zu ambitioniert sind, können als Team an den Start gehen und als Trio jeweils zehn Kilometer absolvieren.

Die Idee zum Lauf mit historischem Flair hatte ursprünglich Hubert Erichlandwehr, Bürgermeister von Schloß Holte-Stukenbrock: „Ich wollte gern eine Möglichkeit schaffen, die für die Grafschaft bedeutenden Gebiete miteinander zu verknüpfen und irgendwie erlebbar zu machen.“ Bei seinen beiden Amtskollegen – Michael Esken aus Verl und Andreas Sunder aus Rietberg – musste das Stadtoberhaupt von Schloß Holte-Stukenbrock keine Überzeugungsarbeit leisten, denn beide waren „sofort Feuer und Flamme für diese Idee“, wie sie sagen. Alle Bürgermeister erhoffen sich, dem historischen Begriff Grafschaft Rietberg mit dieser neuen Veranstaltung ein wenig frischen Wind einzuhauchen, sie ein stückweit jenseits von Geschichtsbüchern und Ausstellungen begreifbar zu machen. „Ich würde es sehr begrüßen, wenn wir mit dem Lauf auch Menschen in unsere Region locken, die uns vielleicht noch nicht kennen“, sagt Bürgermeister Andreas Sunder. Sein Kollege aus dem Verler Rathaus, selbst aktiver Läufer, weiß, dass eine solche Veranstaltung nicht von heute auf morgen zu organisieren ist: „Das ist eine Menge Arbeit und muss gut geplant sein. Schon die Premiere sollte möglichst ein Erfolg werden, damit wir uns mit dem Lauf etablieren können.“ Michael Esken hofft auf mindestens 500, besser 1000 Teilnehmer am 25. August nächsten Jahres.

Professionelle Organisation und eine Anschubfinanzierung – an beides haben die Bürgermeister gedacht. Vorgesehen ist, dass jede beteiligte Stadt pro Jahr 20.000 Euro zur Verfügung stellt – maximal auf drei bis fünf Jahre begrenzt. Ab kommender Woche werden die politischen Gremien das Thema diskutieren und ihre Entscheidungen treffen. Viele Fraktionen hätten allerdings in ersten Gesprächen bereits ihre Zustimmung signalisiert. Thorsten Nöthling, Eventmanager aus Verl, verfügt über jahrelange Erfahrung mit Sportveranstaltungen und soll die Organisation übernehmen. Beratend steht ihm Peter Gehrmann zur Seite, der vor vielen Jahren den Hermannslauf mit aus der Taufe gehoben hat. Nöthling betont, dass bei einer Laufveranstaltung dieser Größe insbesondere die Zeitmessung und der Bus-Shuttle für die Teilnehmer viel Geld verschlingen. Eine große Chance sieht Nöthling in der abwechslungsreichen Streckenführung: „Es geht sowohl über Felder und Wiesen als auch mitten durch die Orte wie Westerwiehe oder Kaunitz, ein guter Mix aus viel Unterhaltung und hoffentlich anfeuernden Fans und ruhigen Abschnitten in der Natur.“ Das neue Angebot soll auf keinen Fall in Konkurrenz stehen zu bereits etablierten Läufen. Daher haben die Ideengeber auch die Sportvereine in ihren jeweiligen Städten mit ins Boot geholt.

Schirmherr des Grafschaftslaufs wird Carl Philipp Tenge-Rietberg. In seinem Besitz befinden sich nicht nur das Gut Rietberg und das Jagdschloss Holte, sondern auch etliche Ländereien, die er für den Lauf freigibt. „Zwar hat die Grafschaft schon nicht mehr existiert, als meine Familie das Gut übernommen hat, aber wir stehen in der Pflicht und deshalb bin ich gern dabei. Der Lauf ist eine hervorragende Idee.“

Hintergrund:
Wer als Veranstalter des Grafschaftslaufs auftritt, ist noch nicht abschließend geklärt. Möglich wäre, dass sich beispielsweise die Rietberger Gartenschaupark GmbH einbringt. Diese Details müssen im weiteren Planungsverlauf besprochen werden. Anmeldungen zum Lauf werden voraussichtlich ab Januar/Februar 2019 möglich sein.

Bild: Es läuft rund bei (von links) Rietbergs Bürgermeister Andreas Sunder, Schloß Holte-Stukenbrocks Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, Peter Milsch (Geschäftsführer Gartenschaupark GmbH), Eventmanager Thorsten Nöthling, Hermannslauf-Erfinder Peter Gehrmann, Verls Bürgermeister Michael Esken und Schirmherr Carl Phillip Tenge-Rietberg. Sie erwarten mit Spannung die Premiere des Grafschaftslaufs am 25. August 2019. Foto: Stadt Rietberg

Quelle: Stadt Rietberg