Rietberger Storchennachwuchs kern gesund und nun beringt

„Na das sind ja mal proppere Kerlchen“, Fachmann Michael Jöbges, Mitarbeiter im Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW ist begeistert. Zum zweiten Mal nach 2013 obliegt es ihm, den Rietberger Storchennachwuchs zu beringen. Und beim Anblick der prächtigen Jungtiere, sowohl im Nest in Westerwieh im Bereich in den Marken wie auch auf dem Gelände des Gartenschauparks gerät er ins Schwärmen. „Gut genährt, topfit, bestens aussehend, die sind richtig klasse“, kommentiert er den Anblick in luftiger Höhe aus dem Korb eines Hubkrans heraus.

Jöbges kommt dem Nachwuchs aus der Adebarschen Kinderstube nah wie kein zweiter. Schließlich muss er mit der Kennzeichnung der Jungtiere dafür sorgen, dass in der Zukunft nachgewiesen werden kann, wohin die Jungtiere aus der Emsstadt ziehen und ob und wann sie auch eines Tages wieder in der Geburtsheimat auftauchen werden. Vom Korb des Krans, gefahren von einem Mitarbeiter der kommunalen Baubetriebsabteilung, aus hat er den perfekten Blick und ist dicht genug dran, um das Quartett zu erreichen.

Das tut in beiden Nestern das, was seiner Natur eigen ist, die Tiere verfallen mal eben in Schockstarre und stellen sich ergo tot. Noch, nur wenige Tage später hätten Jöbges und Bernhard Walter von der Biologischen Station Gütersloh-Bielefeld schlechte Karten gehabt. Denn zumindest das Trio aus dem Westerwieher Nest ist seiner Zeit weit voraus. „Schon etwa 9 Wochen alt“, so schätzt der verblüffte Experte, der in ganz Ostwestfalen unterwegs ist, das Alter der Tiere zum Zeitpunkt der Beringung. Und damit liegen die Storchenbabies zwei bis drei Wochen vor der normalen Entwicklung mit Blick auf die Jahreszeit.

Horste im Gartenschaupark bestens in Schuss

Da passt das verbliebene Adebarkind im Gartenschaupark schon besser in den üblichen natürlichen Rhythmus. „Etwa 7 Wochen“, meint der Experte beim Anblick aus unmittelbarer Nähe und zieht auch hier am Vogelbein den nummerierten Ring in Sekundenschnelle auf. Die Alttiere nehmen es gelassen und waten derweil durch die Feuchtwiesen zwischen Musterhäusern und Obersee auf Futtersuche. Beide Horste gelten für Jöbges als „äußerst sauber und bestens in Schuss.“

Er wie auch Bernhard Walter und die stolzen „Väter“ des preisgekrönten Storchenprojektes, Rietbergs Hegeringleiter Reinhard Hermelingmeier und Sponsor Hans Holub freuen sich, „dass die Beringung gerade noch geklappt hat“. Alle gemeinsam warten künftig gespannt, wo in Europa vielleicht Beobachter mit starken Ferngläsern die Jungstörche identifizieren werden.

Besonders aufmerksam schaut auch der Gartenschaupark auf die weitere Entwicklung, denn der Mini-Adebar 2014 ist der erste, der nach mehrjährigen Versuchen der Ansiedlung von Altstorchenpaaren geschlüpft und aufgewachsen ist. „Wir hoffen natürlich, dass das erst der Anfang vieler Jahre erfolgreicher Storchenzucht unweit des Forum Natur sein wird“, betont der Aufsichtsratsvorsitzende der Park GmbH, Bürgermeister Andreas Sunder.

„Keine bessere Aussichts-Möglichkeit für Kinder“

„Wir haben aus den vergangenen Wochen so viele positive Reaktionen von Besuchern, viele sind gekommen und haben vom Aussichtsturm am Forum Natur aus oft lange Zeit die Fütterung und das Heranwachsen beobachtet. Da wäre es natürlich schön, wenn auch 2015 an diesen tollen Erfolg angeknüpft werden könnte. Gerade für Kinder gibt es eigentlich in der ganzen Region keine bessere Möglichkeit das Aufwachsen von Storchenjungen quasi auf Augenhöhe zu verfolgen.“

Park-Geschäftsführer Peter Milsch: „ Da haben wir weithin schon ein Alleinstellungsmerkmal, einfach weil wir den Aussichtsturm bieten können, der auf seinem höchsten Punkt beste Sicht direkt in das Nest garantiert. Wir denken, der Anfang ist gemacht, in der Zukunft wird es hoffentlich weitere Aufzuchten geben. Unser Dank gilt insbesondere dem Hegering, dessen Sponsoren und der Biologischen Station, ohne deren ehrenamtliches Engagement dieser Erfolg gar nicht möglich gewesen wäre. Die Störche sind für unseren Gartenschaupark, der sich auch Aspekten des Naturschutzes verschrieben hat, ein absoluter Gewinn.“

Wer die kleinen Adebare beobachten möchte, der muss schon in den kommenden Tagen genau hinschauen, die Tiere werden flügge und, laut der Schätzung von Jöbges, werden sie schon Anfang August und damit sehr früh in südliche Gefilde fliegen um Winterquartiere zu beziehen.