Rietberger Kult-Band „Brausepöter“ kehrt nach Hamburg zurück

Genau 34 Jahre ist es her, dass „Brausepöter“ in der Markthalle in Hamburg ihr erstes richtig großes Konzert geben durfte – nun kehrt die Rietberger Kult-Band in die Hansestadt zurück. Im kultigen Underground-Club „Astra Stube“ steht das Trio am Mittwoch Abend auf der Bühne und darf damit ein wenig in der aufregenden Vergangenheit schwelgen. Wir haben die Rückkehr zum „Startschuss der Brausepöter-Ära“ zum Anlass genommen, mit den Jungs die Kiste alter Erinnerungen zu öffnen.

Es war das erste richtig große Brausepöter-Konzert damals im Jahre 1980, als sich die „UR-NWD / Punk“-Band erstmals im hohen Norden präsentierte. Alfred Hilsberg, Chef des Hamburger Plattenlabels „Zick Zack“ hatte Brausepöter kurz zuvor in der Scala in Herford entdeckt und ihnen im Anschluss an den Auftritt gleich eine Platten-Aufnahme angeboten. Die Jungs nahmen das Angebot an, standen kurz darauf im Tonstudio und durften sich so über ihre erste Platte „Liebe, Glück, Zufriedenheit“ freuen.

Dass es überhaupt so weit kam, das hatte Brausepöter im Grunde genommen Bernd Hanhardt zu verdanken. „Ich bin damals mit einer Kassette zur Scala gefahren und hab denen unsere Musik vorgespielt. Die fanden es gut und wir durften dort auftreten“, so Hanhardt am Montag Abend beim Interview im eigens errichteten Proberaum und Tonstudio. Nach einigen Jahren der Suche, haben Martin Lück (53), Bernd Hanhardt (55) und Klaus Feldmann (54) hier endlich ihr neues Domizil im Rietberger Land gefunden, in dem sie ungestört und etwas abgelegen bis tief in die Nacht ihrer Leidenschaft nachgehen können. Die Leidenschaft, die im Herforder Club Scala seinen Lauf nahm.

„Wir fanden den Namen „Brausepöter“ übrigens relativ schnell doof – auch heute noch. Der war nämlich eher witzig und ist dann nach Jahren wie ein Witz, den man drei Mal erzählt. Letztlich ist er ein ostwestfälischer Name von hier – aber eigentlich totaler Nonsenz“ – Martin Lück zum Bandnamen „Brausepöter“

Es wird ein spannender Montag Abend im Proberaum, denn die drei packen im Zuge des Interviews tief in die eigene Erinnerungs-Kiste und skizzieren ihre Laufbahn vom Beginn bis heute. Und das ist das wahrlich Spannende am Konzert der Band aus Rietberg am Mittwoch Abend. Denn genau in Hamburg feierten sie ihre erste richtig große Bühnenerfahrung, an die sich Brausepöter noch sehr gerne zurück erinnert. „Die Markthalle war total überfüllt, die meisten waren junge Punks“, blitzen bei Sänger Martin Lück die Augen, wenn er von der Vergangenheit spricht.

„Bundeswehr“ wird zufällig zum TV-Hit

Entdecker Hilsberg ist damals zufrieden mit dem Auftritt und der Song-Aufnahme, doch den Platten-Vertrag unterschreiben die Jungs nie. Dennoch geht der Hype weiter! Drei Jahre nach ihrer Gründung klopft die ARD-Show „Tempo 82“ an die Tür – sie wollen den Brausepöter-Song „Frei von all dem hier“ als Musikvideo in ihre Sendung einbauen. Bei der Aufnahme in der alten Schnapsbrennerei in Rietberg-Neuenkirchen spielen die drei zur Probe ihren Hit „Bundeswehr“ – doch dann ist plötzlich der Film voll. Und so bleibt es bei dieser Aufnahme, die den Song und damit die Band im TV berühmt macht.

Von „berühmt“ sprechen die Bandmitglieder aber bis heute nicht – auch wenn sie sich eine wahre Fangemeinde aufgebaut haben. „Wir müssen nicht von der Musik leben. Wir können machen, wozu wir Bock haben“, sind sich die drei einig. Dennoch erlebt Brausepöter seit rund vier Jahren den zweiten Frühling. Bei der Eröffnung der Cultura in Rietberg im Jahre 2008 stand die Band auf Wunsch von Showmaster Martin Quilitz und damit 23 Jahre nach dem letzten Auftritt wieder gemeinsam auf der Bühne. „Dass es danach weitergeht, war eigentlich so nicht geplant. Aber es hat alles immer noch gepasst und so hat ein Auftritt den nächsten ergeben“, beschreibt Drummer Klaus Feldmann die Zeit ab 2010.

Seitdem spielt die Rietberger Kult-Band rund 15 Konzerte pro Jahr. Und diese meistens weit außerhalb von Rietberg. Ihre Songs sind dabei aber vor allem jetzt erst so richtig kult. „Wir haben Fans, die wegen uns überall hinfahren. Dann stehst Du plötzlich da und alle singen `Bundeswehr`mit – egal welchen Alters“, schwärmt Martin Lück von den Live-Konzerten. Gerade „auswärts“ verbindet man Brausepöter mit der Historie – und die kann sich bekanntlich sehen lassen. In der Heimat feierte die Band im vergangen Jahr einen überragenden Auftritt auf der Kostümsitzung im Rietberger Karneval – aber mit ganz anderen Songs. Das muss schließlich auch mal sein!

Im Jahre 2011 bringt Überfall Records den kompletten Backkatalog von Brausepöter auf CD heraus. Diese Veröffentlichung startet vor allem in den USA ordentlich durch. In den Staaten werden die Songs landesweit auf amerikanischen Underground-Stationen gespielt. Und beim Maximum RocknRoll aus San Francisco, einem der auflagenstärksten US-amerikanischen Punk-Fanzines, landet Brausepöter 2012 sogar viermal in den Top Ten.

Brausepöter arbeitet mit Hochdruck an neuer CD

"Dass wir dort 34 Jahre nach unserem ersten Konzert in der Markthalle nochmal spielen, hätten wir noch vor einiger Zeit nicht für möglich gehalten." - So der Kommentar der Band zum Auftritt und zum Konzertplakat in Hamburg.

„Dass wir dort 34 Jahre nach unserem ersten Konzert in der Markthalle nochmal spielen, hätten wir noch vor einiger Zeit nicht für möglich gehalten.“ – So der Kommentar der Band zum Auftritt und zum Konzertplakat in Hamburg.

Am Mittwoch Abend ist es eine Art „Wiedersehen“ mit Hamburg, wenn Martin Lück, Bernd Hanhardt und Klaus Feldmann zusammen die Bühne in Hamburg rocken werden. „Rocken“ ist dabei aber vielleicht der falsche Begriff. „Mit Rockmusik kannst du heute keinen Blumentopf gewinnen. Wir sind aber auch keine Punks mehr – das kauft uns mit über 50 auch keiner mehr ab“, fällt es den Bandmitgliedern schwer, ihre Musik in eine Schublade zu stecken. Und so ist es am Ende eine Mischung als UR-NDW und Punk, mit dem Brausepöter auch in Hamburg angekündigt werden.

Zum Foto-Termin sitzen die drei am vollgepackten Auto, mit dem sie ihr gesamtes Equipment nach Hamburg karren. Dort angekommen, wollen sie in der „Astra Stube“ einen nostalgischen Auftritt hinlegen, der ein bisschen an die Anfänge ihrer Hoch-Zeit erinnert. Und wer weiß – vielleicht gibt es per Zufall ja sogar in naher Zukunft nochmals einen richtigen Hit.

Denn während sie in Hamburg vor allem ihre alten Songs spielen werden, arbeitet das Trio intern mit Hochdruck an der neuen CD. Diese soll zu Weihnachten passend zum traditionellen Weihnachtskonzert im „Düwels Usch“ in Neuenkirchen erscheinen – allesamt mit eigenen Songs aus der Feder von Martin Lück. Es scheint, als wenn der zweite Frühling von Brausepöter die Band jung hält! Denn wenn sie – wie am Montag – in der Vergangenheit schwelgen, dann hat man stets das Gefühl, mit den Jungs von vor 30 Jahren zu sprechen. Und das macht Brausepöter aus. Und vor allem auch noch heute so erfolgreich!