Rietberger Asylbewerber & Helfern lernen sich besser kennen

Einander kennenlernen und miteinander ins Gespräch kommen. Das war die Devise beim Treffen aller Flüchtlinge und ihrer Paten im Bibeldorf in Rietberg. Evangelische Kirche und die Stadt Rietberg hatten gemeinsam zu diesem Nachmittag eingeladen: Alle Beteiligten sollten bei Tee und Kaffee noch mehr Verständnis füreinander entwickeln. „Dieses Treffen demonstriert ganz deutlich, dass in Rietberg eine Kultur des Willkommens herrscht“, so Wilfried Dörhoff als Leiter der Abteilung für Jugend, Soziales und Wohnen im Rietberger Rathaus.

Rund 150 Frauen und Männer, auch viele Kinder, saßen gemeinsam bei Kaffee und Kuchen und lernten einander kennen. Sie erzählten von ihrer alten Heimat, aus der sie aus unterschiedlichen Gründen geflohen sind. Und über ihre neue Heimat, die sie aktuell in Bokel, Mastholte, Neuenkirchen, Rietberg oder Varensell gefunden haben. Denn dort überall leben in zehn Übergangswohnheimen fast 160 Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl beantragt haben.

Pastor Dieter Fricke von der evangelischen Kirchengemeinde verfolgt genau, woher die Flüchtlinge in Rietberg stammen.

Pastor Dieter Fricke von der evangelischen Kirchengemeinde verfolgt genau, woher die Flüchtlinge in Rietberg stammen.

Aus welchen Staaten der Welt sie kommen, das dokumentierten die Gäste auf einer großen Weltkarte. Mit Klebepunkten markierten sie rund 30 Länder – von Aserbaidschan bis Syrien. Auch als »staatenlos« hat sich ein Gast registriert. Hinzu kamen zahlreiche Rietberger, die sich ehrenamtlich engagieren, um den Flüchtlingen die Integration in Rietberg zu erleichtern. Bürger und Vertreter von Caritasverband, Kolpingsfamilie, Sportverein und Kirchen sind in allen Wohnheimen vertreten, um den Asylsuchenden Hilfestellung zu geben.

„Ich bin wirklich froh und auch ein Stück weit stolz auf uns Rietberger, dass sich so viele Menschen einbringen und die Flüchtlinge so sehr unterstützen“, sagte Bürgermeister Andreas Sunder zur Begrüßung. An keiner Stelle habe er bisher ablehnende Äußerungen von Mitbürgern gehört.

Gemeinsames Schlusswort aller Beteiligten in Rietberg

Saur Hüseynov, seine Frau Zümrud Huseynova und die Kinder Revan (8) und Rüfan Huseynli kamen erst jüngst aus Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, nach Deutschland. Sie sind froh, dass sie nun in Neuenkirchen leben können.

Saur Hüseynov, seine Frau Zümrud Huseynova und die Kinder Revan (8) und Rüfan Huseynli kamen erst jüngst aus Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, nach Deutschland. Sie sind froh, dass sie nun in Neuenkirchen leben können.

Ohne weiteres Programm stand an diesem Nachmittag allein das nähere Kennenlernen aller im Vordergrund. Vertreter der politischen Fraktionen und aller Kirchen nutzten diese Gelegenheit gern. Ein schönes Zeichen zum Schluss: Vertreter der katholischen und evangelischen Gemeinde und des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Rietberg sprachen ein gemeinsames Schlusswort.

Seit Jahresbeginn steht der städtische Mitarbeiter Martin Hübner mit einer ganzen Stelle als Ansprechpartner für alle Flüchtlinge zur Verfügung. In jeder der zehn Unterkünfte ist er mindestens einmal pro Woche mit einer festen Sprechzeit zugegen – sowohl für die Bewohner als auch für die ehrenamtlichen Helfer aus dem Ortsteil, um deren Hilfen zu koordinieren.

Schon bei einem Runden Tisch mit mehr als 30 Vertretern der unterstützenden Institutionen und Bürger wenige Tage zuvor wusste Sozialamtsleiter Wilfried Dörhoff ferner von dem Förderverein „Hilfe für Menschen in Not“ zu berichten, der nun ein Konzept zur Sprachförderung entwickelt. Mit Hilfe mehrerer pensionierter Lehrer in Rietberg soll den Flüchtlingen möglichst schnell das nötige Basiswissen vermittelt werden, um den Alltag in der neuen Heimat zu meistern.