Rietberg macht sich stark gegen Regen

„Jetzt kommt es auf Sie an. Bringen Sie sich ein, beteiligen Sie sich“, rief Rüdiger Ropinski die Anwesenden im Ratssaal auf. Dort hat die Stadt Rietberg jetzt den Auftakt gemacht zu dem neuen Projekt »Stark im Regen«. Im nächsten Schritt sind nun Rietbergs Bürgerinnen und Bürger gefordert, all jene Starkregen und Überschwemmungen der jüngeren Vergangenheit zu dokumentieren. Die neue Internetseite www.starkimregen.de bietet dafür die passende Plattform.

»Stark im Regen« ist ein Pilotprojekt und einzigartig in der Region. Es soll die verschiedenen Fachabteilungen der Stadtverwaltung mit Vereinen und Verbänden, Bauträgern, Vertretern der Wohnungs- und Versicherungswirtschaft und nicht zuletzt den Bürgern zusammenbringen. Gemeinsam soll in den kommenden zehn Monaten ein Entwicklungs- und Schutzplan (ESP) erarbeitet werden, der dann Möglichkeiten aufzeigt, wie sich Rietberg vor künftigen Starkregenereignissen und deren Folgen schützen kann.

Wie nötig das ist, das zeigten am Mittwochabend einige Referenten im Alten Progymnasium auf: die Anzahl der Starkregen-Tage hat zuletzt zugenommen, die Niederschlagsmengen ebenfalls. Und dieser Trend wird sich fortsetzen. Das hat Elke Freistühler aus allerhand Datenmaterial errechnet. „Nicht jeder Starkregen führt gleich zu Überflutungen“, so die Diplom-Ingenieurin. Aber auch die Wiederkehrzeiten solcher extremen Wetterereignisse können sich halbieren, so ihre Prognose.

„Wir müssen also mit unsicheren Umweltzuständen leben und planen“, resümierte ihr Kollege Dr.-Ing. Ioannis Papadakis. Er hält einen Paradigmenwechsel für nötig: „Wir müssen weg vom Sicherheitsdenken, hin zum Risikodenken.“ Man könne nicht genau voraussagen, wann und wo und erst Recht mit welcher Intensität ein Starkregen kommt. „Wir müssen also mit diesem Risiko leben“, so Papadakis. Er möchte keine Ängste schüren, aber ein Risikobewusstsein schaffen.

Welch hohe Schäden Starkregen auslösen können, erläuterte Dr. Tim Peters von der Provinzial-Versicherung: Die Regenfälle Ende Mai bis Anfang Juni des vergangenen Jahres haben deutschlandweit Schäden in Höhe von 1,2 Milliarden Euro verursacht, so der Versicherungsexperte. „Allein an einem Sommertag 2014 waren in Münster innerhalb von sieben Stunden 292 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. 14 Kilometer entfernt fielen indes nur 20 Liter je Quadratmeter.“ Schaden: rund 300 Millionen Euro.

Auch in Rietberg hat es in diesem Jahr an mindestens vier Stellen drei Starkregen gegeben, die einige Schäden verursacht haben, sagte Rüdiger Ropinski, Leiter der Abteilung Räumliche Planung & Entwicklung, Umwelt und Klimaschutz. Ein solches Unwetter könne also tatsächlich jeden treffen.

Was jeder Bürger zum Schutz des eigenen Hauses tun kann – von der Sicherung der Lichtschächte und Kellerfenster bis zum Abschluss einer Elementarversicherung – das soll in mehreren Workshops zu Beginn des kommenden Jahres erarbeitet werden.

Bis dahin sollen alle Bürger ihre Erfahrungen und gegebenenfalls Fotos von Hochwasser und Überschwemmungen in Rietberg im Internet sammeln. Das Büro tetraeder.com hat dazu unter www.starkimRegen.de/oeffentlichkeitsbeteiligung eine interaktive Karte eingerichtet, in der vergangene Vorkommnisse Straßen-genau eingetragen werden können. Darüber hinaus ist Klimaschutzmanagerin Birgit Frerig-Liekhues beim Zusammentragen der Erfahrungen behilflich: Telefon (05244) 986279.

Die Erstellung des Entwicklungs- und Schutzplanes (ESP) für Rietberg wird rund 245.000 Euro kosten, die zu 65 Prozent aus Bundesmitteln bezuschusst werden. „Wir als Stadt geben 85.000 Euro in dieses Projekt“, so Stadtoberhaupt Andreas Sunder. „Das zeigt, dass uns der Schutz vor Starkregen etwas wert ist. Wir nehmen mit diesem Leuchtturmprojekt eine Vorreiterrolle in der Region ein.“

Bild: Rüdiger Ropinski, Dr.-Ing. Ioannis Papadakis, Elke Freistühler, Dr. Tim Wiese und Dr.-Ing. Stephan Wilforth (von links) informierten beim Start des neuen Projektes »Stark im Regen«. Foto: Stadt Rietberg

Quelle: Stadt Rietberg