Leben in der Turnhalle – nur eine Notlösung

Vor drei Wochen ist die Turnhalle in Westerwiehe für eine Belegung mit Flüchtlingen vorbereitet worden. 33 Menschen bietet sie aktuell eine Unterkunft. Doch die ersten Asylsuchenden konnten bereits in eine Wohnung umziehen. Denn die Halle ist lediglich eine Notlösung – und das soll sie auch bleiben, wenn es nach dem Willen der Stadtverwaltung geht. „Wenn irgendwie möglich, möchten wir alle Asylsuchenden in Wohnungen und Häusern unterbringen“, sagt Bürgermeister Andreas Sunder. Ob das weiterhin gelingen kann, hängt von der künftigen Zahl der Zuweisungen ab.

Das Team der Stadtverwaltung arbeitet weiter mit Hochdruck daran, Wohnraum zu schaffen oder anzumieten. Unterdessen klappt es im Alltag an und in der Westerwieher Turnhalle prima: Menschen aus Serbien, Ghana, dem Irak, Bangladesch, Pakistan, Syrien und Somalia haben auf Feldbetten eine Schlafgelegenheit gefunden. Die Unterkunft ist einfach und zweckmäßig. Wilfried Dörhoff, Leiter der Abteilung Jugend, Soziales und Wohnen, ist regelmäßig vor Ort und betont: „Selbstverständlich ist es keine Dauerlösung, in einer Turnhalle zu wohnen. Aber ich bin sehr froh, dass wir bis jetzt noch großzügig mit dem Platz umgehen können. Andernorts stehen die Betten schon Kante an Kante.“

Mit Stellwänden als Sichtschutz ist versucht worden, den Menschen wenigstens ein Minimum an Privatsphäre zu ermöglichen. In einem Zelt vor der Turnhalle kommen alle Bewohner täglich zum Mittagessen zusammen, oder sie trinken gemeinsam eine Tasse Kaffee. Das Catering zur Mittageszeit hat die Firma Klaas aus Westerwiehe übernommen. Für Frühstück und Abendessen sorgt jeder selbst. Auch viele Kinder wohnen in der Turnhalle, das jüngste ist gerade einmal anderthalb Jahre alt.

Turnhalle_GesprächBürgermeister Sunder und Abteilungsleiter Dörhoff sind dankbar, dass auch in Westerwiehe die Hilfsbereitschaft vieler Ehrenamtlicher enorm ist. Unter Federführung der Caritas, die auch mittags bei der Essensausgabe hilft, sind schon einige Aktionen initiiert worden. Einem Aufruf etwa, im Pfarrheim Kleiderspenden und Spielzeug abzugeben, sind viel mehr Bürger gefolgt als erwartet. Mit Blick auf den nahenden Winter wird weiterhin warme Kleidung in allen Größen benötigt. Wer etwas spenden möchte, kann sich an die Kleiderkammern Rietberg, Mastholte und Neuenkirchen wenden.

Allgemeine Fragen und Anregungen zum Thema Flüchtlinge nimmt Wilfried Dörhoff entgegen: Tel. 05244/986 302, E-Mail: wilfried.doerhoff@stadt-rietberg.de. Zentraler Ansprechpartner für die Betreuung der Flüchtlinge ist Martin Hübner, Tel. 05244/986 311, E-Mail: martin.huebner@stadt-rietberg.de.

Wer der Stadt Rietberg eine Wohnung oder ein Haus vermieten oder zum Kauf anbieten möchte, kann sich bei Andreas Nachtigall, Abteilung Hochbau, melden: Tel. 05244/986 362, E-Mail: andreas.nachtigall@stadt-rietberg.de.

Hintergrund:

Anders als in Rheda-Wiedenbrück oder in Gütersloh ist die Turnhalle in Westerwiehe nicht aufgrund eines Amtshilfeersuchens der Bezirksregierung mit Flüchtlingen belegt worden. Die Stadt Rietberg hat Menschen, die im Rahmen der regulären Zuweisungen kommen, die Turnhalle als Unterkunft anbieten müssen, weil kein „normaler“ Wohnraum mehr zur Verfügung gestanden hat. Derzeit leben 320 Flüchtlinge in Rietberg, wöchentlich kommen derzeit etwa 20 weitere hinzu. 

Fotos:

„Welcome“ steht auf einem Schild, das Kindergartenkinder für die Flüchtlinge gemalt haben. Sie haben es in der Turnhalle aufgehängt.

Im Gespräch: Wilfried Dörhoff, Abteilungsleiter Jugend, Soziales und Wohnen, im Gespräch mit einem jungen Mann aus Ghana, der seinen Namen nicht nennen möchte.

Fotos: Stadt Rietberg