Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsprozess

Almamy Laye Soumah ist 23 Jahre alt, wohnt in Wiedenbrück und macht eine Ausbildung zum Zimmerer bei der Fachwerkstatt Drücker & Schnitger. Eigentlich nicht ungewöhnlich. Doch Almamy Laye lebt erst seit drei Jahren in Deutschland. Hierher ist er aus seiner Heimat Guinea-Bissau geflüchtet, hier hat er einen Asylantrag gestellt. Wie Soumah in der Rietberger Fachwerkstatt zurechtkommt und wie auch andere Firmen diesem Beispiel folgen können – das war jetzt Thema eines Infoabends der Stadt Rietberg in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsinitiative Rietberg (WiR).

Dass ein heimisches Unternehmen einem Flüchtling einen Arbeitsplatz anbietet ist eher selten. Für Erasmus Drücker ist die Sache einfach: „Gute Leute sind unsere Zukunft. Da ist doch völlig egal, woher sie kommen.“ Almamy Laye Soumah hat zunächst drei Monate bei der Drücker & Schnitger GmbH hospitiert. In dieser Zeit hat er viel Motivation an den Tag gelegt und das Unternehmen hat ihm einen Ausbildungsplatz angeboten. „Wenn er weiterhin so gut mitarbeitet, wollen wir ihn gern übernehmen“, so Drücker weiter. „Wir brauchen Fachkräfte.“ Aktuell versucht der 23-jährige Afrikaner, den Führerschein zu machen. Und mit Hussain Dilara haben Drücker & Schnitger erst vor wenigen Tagen einen weiteren Flüchtling als Bauhelfer eingestellt.

Für Almamy Laye Soumah ist die Ausbildungsstelle ein Glücksfall. Während dieser Zeit ist sein Aufenthalt in Deutschland gesichert, er kann nicht abgeschoben werden. Für Praktikanten gilt dies indes nicht, wie während des Infoabends deutlich wurde. Dabei ist gerade dies – ob Hospitation oder Praktikum – oft der erste Schritt für ein Unternehmen, einen Asylsuchenden bei sich aufzunehmen.

Welche Hilfestellung das Jobcenter, die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder die Handwerkskammer dabei geben können, erläuterten Fred Kupzczyk, Atilla Sepsi und Katrin Herking während des Infoabends. Die IHK Ostwestfalen zu Bielefeld zum Beispiel betreut derzeit 17 Flüchtlinge in dem Projekt »Einstiegsqualifikation«: Ähnlich einer Ausbildung besuchen die teilnehmenden Flüchtlinge abwechselnd einen Betrieb und einen speziellen Deutschkursus. „Motivation ist die einzige Voraussetzung“, sagte Attila Sepsi. Tanja Pidlyy stellte die Möglichkeiten des Integration Points der Agentur für Arbeit in Bielefeld vor.

Fast 60 Interessierte hatten dem Infoabend in der Fachwerkstatt Drücker & Schnitger beigewohnt. Ein grundsätzliches Interesse, Flüchtlinge zu beschäftigen ist bei vielen vorhanden. Schließlich ist die feste Einbindung in eine Arbeit der beste Weg zur Integration in die Gesellschaft. „Die Hürde ist oft die Sprache“, wurde im Laufe des Abends deutlich. Ohne Deutschkenntnisse geht es oft nicht.

„Die Integration der Asylsuchenden wird über viele Jahre noch eine wichtige Aufgabe bleiben“, sagte Bürgermeister Andreas Sunder und bedankte sich für das Interesse und bei den beispielgebenden Unternehmern. „Diese Veranstaltung soll ihnen Mut und Hoffnung geben, die Integration von geflüchteten Menschen in den Arbeitsprozess auch als eine Chance für ihre Unternehmen zu sehen.“ Renate Pörtner, Wirtschaftsförderin der Stadt Rietberg, hatte den Infoabend mit der WiR vorbereitet.

Bild: Bürgermeister Andreas Sunder, Tischlermeister Erasmus Drücker, Hussain Dilara, Almamy Laye Soumah, Wirtschaftsförderin Renate Pörtner und Zimmerermeister Rainer Schnitger (von links) bei dem Infoabend der Wirtschaftsinitiative Rietberg Foto: Stadt Rietberg