Größere Kanäle sind nicht die Lösung

Ein Ausbau des Kanalsystems ist nicht das Allheilmittel beim Umgang mit Starkregen. Um bei plötzlichen und heftigen Schauern größere Schäden an Haus und Hof zu vermeiden, gibt es noch andere Stellschrauben, an denen gedreht werden kann. Das wurde jetzt bei einem Info- und Diskussionsabend im Rahmen des Projektes »Stark im Regen« deutlich. Dabei ist die Entstehung eines gemeinsamen Entwicklungs- und Schutzplanes für Rietberg ein großes Stück vorangekommen.

Dr. Ioannis Papadakis vom gleichnamigen Ingenieurbüro hatte vorausberechnet, welche Stellen in Rietberg bei einem Starkregen besonders betroffen wären. Seine Modellberechnung hat er ergänzt um Angaben von zahlreichen Bürgern und Besichtigungen vor Ort.

So ergibt sich ein umfassendes Kartenwerk, das alle Flächen in Rietberg zeigt, die bei einem Starkregen besonders anfällig für Überflutungen sind. „Ihre Angaben haben mir dabei sehr geholfen“, wendete sich Papadakis an die Bürger, die zu dem Infoabend ins Sonnenhaus im Klimapark gekommen waren. Auf einer interaktiven Webseite hatten 35 Bürger „ihr persönliches Starkregen-Erlebnis“ vor der eigenen Tür gemeldet und in einer Karte von Rietberg eingetragen. „Ihre Beobachtungen untermauern größtenteils meine Berechnungen“, so Papadakis.

Was die Bürger aber vorwiegend interessiert: „Was tut die Stadt, um solche möglichen Überflutungen zu verhindern?“ Dazu musste Hubertus Schmidt, Leiter der Abteilung Tiefbau und Stadtentwässerung im Rathaus, zunächst klarstellen, dass nicht immer die vermeintlich zu kleinen Regenwasserkanäle Schuld sind an einer Überflutung. „Die Kanäle werden bemessen für Regenereignisse, die durchschnittlich alle zwei bis drei Jahre vorkommen. An diese rechtliche Vorgabe halten wir uns überall im Stadtgebiet.“

Außerdem gibt es – zum Beispiel in manchen älteren Wohnsiedlungen – nicht überall Regenwasserkanäle. Die würden sicher bei einem Endausbau der Straßen installiert. Doch vielfach scheitert der Endausbau am geringen Interesse der Anlieger, denn sie müssen an den Kosten beteiligt werden.

Außerdem: Rietberg ist insgesamt eine flache Region. Hier fließt das Wasser langsam, „auch in größeren Kanälen.“ So machte Schmidt deutlich, dass größer dimensionierte Kanäle nicht immer eine Lösung sind. Auch private Vorsorgemaßnahmen können und müssen dazu beitragen, dass künftig weniger Eigentum beschädigt wird. Deshalb will die Lenkungsgruppe des Projektes »Stark im Regen – Rietberger sorgen vor« mit den Bürgern weiter im Gespräch bleiben.

„Eine Lösung könnte sein, künftig zusätzliche Überflutungsflächen zu schaffen“, so Schmidt. „Dank der Modellrechnung von Dr. Papadakis wissen wir nun auch wo. Mit seiner Modellrechnung des Rietberger Stadtgebietes haben wir das passende Instrument für künftige Planungen an die Hand bekommen. Damit sind wir schon weiter als andere Städte und Gemeinden.“

Wenn ganz plötzlich eine große Menge Regen fällt – und nur darum geht es – dann muss der Niederschlag auch irgendwo hin. Regenrückhaltebecken sind da keine Hilfe, erklärte Schmidt. Denn sie sind nicht dazu da, um plötzliche Wassermengen aufzustauen und so Kanäle zu entlasten, wie viele Bürger irrtümlich glauben. Sondern vielmehr zum Schutz der umliegenden Gewässer, und um die Einleitung auf natürlichem Niveau zu regulieren.

Auch in den Kanälen kann das Wasser oft nicht abfließen, weil umliegende Gewässer schnell vollgelaufen sind. „Wenn das Wasser vorrübergehend auf einer Straße oder einer öffentlichen Grünfläche steht, ist das weniger problematisch, als bei ihnen auf dem Hof oder im schlimmsten Fall im Keller“, so Schmidt. Höhere Randeinfassungen könnten beispielsweise dafür sorgen, dass Straßen mehr Wasser aufnehmen können, oder oberflächige Wassernotwege. „Das werden wir nun bei neuen Planungen berücksichtigen“, erläuterte Schmidt.

Bild: Im Sonnenhaus stellte Dr. Ioannis Papadakis (rechts) seine Modellrechnung bei Starkregenereignissen vor. Foto: Stadt Rietberg

Quelle: Stadt Rietberg