Ein guter Ziegel „reift“ bis zu zwei Wochen

Es ist ihr Geschäftsmodell, anderen Steine in den Weg zu legen. Und sie tut das sehr erfolgreich – die Wienerberger GmbH. Der Hersteller von Ziegelsystemen ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer und führend in Europa. Ein besonders bekanntes Produkt ist der Porotonstein. Bürgermeister Andreas Sunder hat sich jetzt das Wienerberger-Werk in Westerwiehe angesehen.

Der Weg vom Rohmaterial bis zum fertigen Stein ist lang: Bis zu 14 Tage sind nötig, damit sich Ton in einen modernen Bauziegel verwandelt, der allen heutigen Ansprüchen an zeitgemäßes Bauen genügt. Je nach Modell müssen verschiedene weitere Materialien zugefügt werden, damit der Stein perfekt ist – dabei kommt es auf die exakte Mischung an. Schon kleinste Fehler können dazu führen, dass das Endprodukt unbrauchbar wird. 80 verschiedene Modelle werden bei Wienerberger an der Westerwieher Straße 340 angefertigt. Die Tongrube befindet sich direkt vor der Werkstür. „Das ist für uns ein sehr wichtiger Standortfaktor“, betont Werksleiter Jürgen Görlich. Denn ein logistisch aufwändiger und teurer Transport von der Rohstoffquelle bis zum Werk sei wirtschaftlich nicht darstellbar.

Das österreichische Unternehmen Wienerberger betreibt in Deutschland 19 Werke (Jahresumsatz 2016: 261 Millionen Euro). Am Standort in Westerwiehe sind 32 Mitarbeiter beschäftigt, 29 von ihnen in der Produktion. An Aufträgen mangelt es dem Unternehmen dank florierendem Bausektor nicht. Qualifizierte Mitarbeiter zu finden, das sei schon schwieriger, berichtet Jürgen Görlich. Seine Fachleute vor Ort, die teilweise schon viele Jahrzehnte im Unternehmen arbeiten, seien daher das wichtigste Kapital. Wienerberger kooperiert auch mit der Außenstelle (66 Haftplätze) der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bielefeld-Senne, die direkt ans Firmengelände anschließt. „Zwischen drei und fünf Gefangenen geben wir regelmäßig die Chance, bei uns zu arbeiten. Das funktioniert ganz hervorragend“, sagt der Werksleiter.

Erst vor zwei Jahren hat Wienerberger 1,8 Millionen Euro in seinen Standort gegenüber dem Naturschutzgebiet Steinhorster Becken investiert. Damals wurden die Entladung und die Schleifanlage erneuert. Bürgermeister Andreas Sunder konnte sich gemeinsam mit Wirtschaftsförderin Renate Pörtner bei einer Führung durch die Ziegelei ansehen, welche Fertigungsschritte die Ziegel durchlaufen. Mit dabei war auch Angela Hauk, Leiterin Public Affairs bei Wienerberger. Sie schilderte dem Stadtoberhaupt ein zentrales Anliegen des Unternehmens: „Tongruben werden heute bei der Gebietsentwicklung leider noch viel zu selten berücksichtigt, sondern einfach überplant. Wir würden uns wünschen, dass der Erhalt von Rohstoffquellen bei der Planung eine größere Rolle spielt.“

Hintergrund: Die Wienerberger GmbH ist ein Tochterunternehmen der 190 Jahre alten österreichischen Wienerberger AG. Bundesweit arbeiten 1500 Menschen für die GmbH. Hauptsitz des Unternehmens ist Hannover. Wienerberger hat 2016 in Deutschland 32.150 Häuser gebaut und 33.700 Dächer gedeckt.

Bild: Auf Tuchfühlung mit dem Material: Bürgermeister Andreas Sunder lässt sich von Werksleiter Jürgen Görlich (links) und Angela Hauk, Leiterin Public Affairs bei Wienerberger, die Produktion im Werk Westerwiehe erläutern. Fotos: Stadt Rietberg

Quelle: Stadt Rietberg