Ein blühendes Erfolgsmodell – damals wie heute

Als am 25. April 2008 viele bunte Luftballons in den Himmel über Rietberg aufsteigen, ahnt noch niemand, wie erfolgreich die soeben eröffnete NRW-Landesgartenschau sein wird. Eine anstrengende Zeit liegt hinter allen Verantwortlichen. Vor nicht einmal zwei Jahren hat die Stadt Rietberg den Zuschlag bekommen eine denkbar kurze Zeit, um Straßen, Wege und Infrastruktur auszubauen und 40 Hektar Fläche in einen modernen Park zu verwandeln.

Die Nachricht, dass Rietberg die Landesgartenschau 2008 ausrichten wird, kommt am 4. April 2006. Mitbewerber und Nachbar Lippstadt hat das Nachsehen. Es gibt einen Grund für die Kurzfristigkeit der Entscheidung: Die im Jahr 2005 neu gewählte Landesregierung kassiert den Entschluss ihrer Vorgänger, die Landesgartenschauen in Nordrhein-Westfalen abzuschaffen, ein. Schon bei der Bewerbung, übrigens in der Amtszeit des heutigen NRW-Landtagspräsidenten und damaligen Rietberger Bürgermeisters André Kuper, ist daher größte Eile geboten. Ein Zugeständnis der Landesregierung: Um der kurzen Vorbereitungszeit Rechnung zu tragen, stockt sie die Fördermittel auf. Von den 8,5 Millionen Euro, die in die Erstellung des eigentlichen Geländes fließen, zahlt die Stadt „nur“ einen Eigenanteil von 3,5 Millionen Euro, der Rest kommt vom Land. Üblich ist eine Verteilung von 50 Prozent Stadt, 50 Prozent Land. Weitere 12 Millionen Euro stehen für begleitende Maßnahmen wie den Ausbau der Infrastruktur, die Schaffung neuer Radwege oder den Hochwasserschutz bereit. Von dieser Summe werden circa 60 Prozent über Fördergelder refinanziert.

Binnen anderthalb Jahren vollzieht die Stadt Rietberg einen regelrechten Entwicklungsschub. Was normalerweise viele Jahre dauert, passiert plötzlich in wenigen Monaten. Eine ganze Stadt macht mobil: Unzählige Ehrenamtliche helfen dabei, das Gelände herzurichten. Auf der so genannten Stadtteilblüte im Park Neuenkirchen sind alle Stadtteile mit eigenen Beiträgen vertreten. Ein eigener Förderverein, der bis heute sehr engagiert arbeitet, wird gegründet. Außerhalb des eigentlichen Parks werden nicht nur Straßen und Kreisverkehre gebaut, auch das Lind-Hotel am Nordtor, ein Vier-Sterne-Haus, eröffnet anlässlich der Landesgartenschau. Die Stadt ändert ihr Gesicht. „Träume wachsen lassen“ lautet das Motto der sechsmonatigen Schau – bereits zum Zeitpunkt der Eröffnung ist die Stadt selbst an etlichen Stellen gewachsen.

Nicht nur die Eröffnungsfeier am 25. April wird ein Erfolg. Die Landesgartenschau in Rietberg bricht weitere Rekorde: Mit einer Million Besucher kommen fast doppelt so viele Menschen wie erwartet. Mit dem Betrieb der Gartenschau wird ein Überschuss von 3,1 Millionen Euro erwirtschaftet – ein Ergebnis, das es so in der Geschichte der NRW-Landesgartenschauen noch nicht gegeben hat. Dieser Überschuss fließt in den Folgejahren nach und nach in das Gelände. Etwa 300.000 Euro pro Jahr investiert die Gartenschaupark GmbH (ein Tochterunternehmen der Stadt Rietberg mit einer 33-prozentigen Beteiligung der Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau und Landespflege Nordrhein-Westfalen) in Neuanschaffungen und Instandhaltung. Der städtische Zuschuss, der jedes Jahr an die GmbH fließt, beläuft sich auf 150.000 Euro.

Park-GmbH-Geschäftsführer Peter Milsch weiß nach zehn Jahren sehr genau, was die größten Herausforderungen sind: „Die Kunst ist es, unseren Besuchern immer wieder etwas Neues anzubieten. Wir haben uns nie auf Erfolgen ausgeruht, sondern ständig überprüft, was wir besser oder anders machen können. Nur so werden wir dauerhaft attraktiv bleiben.“ Das ist in den vergangenen Jahren gelungen: Ob die Ansiedelung von Wasserbüffeln im mittleren Parkteil, ein neues Wassertretbecken, der Klimapark, Camping Pods als originelle Übernachtungsmöglichkeit, die Errichtung einer 23 Meter hohen Rutschenturmanlage oder die Schaffung von Grillpavillons – die Liste ließe sich weiter fortsetzen. Auch im Bereich der etwa 40 Veranstaltungen, die von April bis Oktober auf das Gelände locken, tut sich immer etwas. Insbesondere für Jugendliche ist das Angebot mit dem Holi-Festival, dem Street-Food-Festival oder dem Groove-Garden deutlich ausgebaut worden.

Dass der Finanzüberschuss eines Tages aufgebraucht sein wird, ist früh absehbar. Daher machen sich Bürgermeister und Park-Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Sunder und Park-Geschäftsführer Peter Milsch zeitig Gedanken darüber, wie die Finanzierung langfristig gesichert werden kann. Eine breit angelegte Beteiligung der Bürger – unter anderem mit einer repräsentativen Meinungsumfrage – ergibt: Die Rietberger stehen sehr deutlich hinter ihrem Park. Er ist ihnen einiges wert. Der Stadtrat beschließt daher im Jahr 2016, den jährlichen Zuschuss von 150.000 Euro auf 600.000 Euro inklusive der Bewirtschaftung des Rundtheaters Cultura (ab 2017) aufzustocken. Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Sunder freut sich sehr über dieses klare Bekenntnis sowohl der Bürger als auch der Politik: „Unser Park bietet nicht nur allerbeste Naherholung, er ist für Rietberg auch ein wichtiger Standort- und Wirtschaftsfaktor.“

Wie es sich für einen ordentlichen Geburtstag gehört, wird das Zehnjährige des Parks angemessen gefeiert. Am Sonntag, 22. April, ist ab 11 Uhr die Einweihung eines neuen Rutschenturms mit 30 Meter langer Dschungelbrücke im Park Neuenkirchen vorgesehen. Der bestehende Turm erhält eine Erweiterung – sozusagen als Geburtstagsgeschenk. Insbesondere alle Kinder sind dazu eingeladen, die neue Riesenrutsche direkt auszutesten.

Bild: Luftbilder aus dem Eröffnungsjahr 2008 – Eingang Mitte

Foto: Gartenschaupark GmbH / Stadt Rietberg

Quelle: Gartenschaupark Rietberg