Bokeler Zeitzeugen berichten über 2. Weltkrieg im Ortsteil

„70 Jahre Frieden in Bokel“ – so lautet der Arbeitstitel für eine Ausstellung die der örtliche Heimatverein im Dezember 2015 in seinen Räumen ausrichten möchte. Bildmaterial und Aussagen von Zeitzeugen sollen dann einen Überblick geben über das, was im heutigen Rietberger Stadtteil geschehen ist. In einem ersten Klönabend ging es jetzt um die Zeit des II. Weltkrieges und den Einmarsch der amerikanischen Truppen zu Ostern vor genau 70 Jahren.

Mit Heinz Bökamp und Willi Ridder waren Zeitzeugen zugegen, die viele Details aus ihren Erinnerungen berichten konnten. Letztlich war ein zufällig geführtes Gespräch von Ute Sommer mit Heinz Bökamp vor einem Vierteljahr der Auslöser für das Treffen und die Aktion des Heimatvereins.

„Er hat mir damals spontan so viel Interessantes aus alter Zeit erzählt, dass mir das keine Ruhe gelassen hat. Sicher gibt es in vielen Haushalten noch alte Fotos, die der jüngeren Generation nichts mehr sagen oder deren abgebildete Personen sie nicht mehr kennen. Diese könnten für die Ausstellung aufgearbeitet werden. Es sind wichtige Dokumente zur Geschichte Bokels“, so Ute Sommer.

In Heinz Bökamp haben die Organisatorinnen nicht nur einen wichtigen Zeitzeugen zur Kriegszeit sondern auch einen Kenner der früheren Historie. Anlässlich des 150jährigen Jubiläums seines Gastronomiebetriebes hatte er vor zwei Jahren unter anderem im Rietberger Stadtarchiv recherchiert und Daten und Fakten zusammengetragen. Er berichtete aus seinem Erleben während seiner Kindheit. „Es gab häufiger Bombenalarme. Wir haben am Fenster gestanden und gesehen wie über Soest und Paderborn die sogenannten Christbäume abgeworfen wurden“, erzählte er.

SS-Einheit nahm Bökamps Saal in Bokel in Beschlag

Der Saal des Hauses war schon früh mit Kriegsgefangenen belegt worden, „sie wurden morgens zu den Bauern gebracht und abends wieder abgeholt, zunächst Polen, später Franzosen.“ Später wurden sie in eine Sammelunterkunft im Dorf gebracht und eine SS-Einheit nahm den Saal in Beschlag. „Sie übte immer gegenüber in der Wiese“, so der 78-jährige, der sich auch noch genau an den Volkssturm erinnerte, der kurz vor dem 1. April 194 gebildet worden war.

„Das waren alte Männer, die mit Panzerfäusten ausgestattet wurden. Da kam extra ein Fachmann, es wurde eine Scheibe aufgebaut, ein Loch gebuddelt und daraus schoss der Experte, die Scheibe hat er aber nicht mal getroffen“, schmunzelte er vor den interessierten Bokelern. Der Volkssturm habe die Brücke an der heutigen Brunnenstraße verteidigen sollen, Baumstämme und Zickzackeggen ausgelegt, doch kurz bevor die Amerikaner eintrafen hätten die Männer die Panzerfäuste vergraben und seien nach Hause gegangen.

Willi Ridder konnte als Bokeler Zeitzeuge seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg schildern.

Willi Ridder konnte als Bokeler Zeitzeuge seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg schildern.

Spannend für die Kinder seien die vielen Fremden und Fahrzeuge gewesen und erstmals habe man Ostern 1945 auch Farbige im Ort gesehen.Es gab Bonbons und Schokolade von den Amerikanern, dazu den bis dato gänzlich unbekannten Kaugummi, Bananen und andere Südfrüchte. Die Soldaten befreiten die Kriegsgefangenen. Schon da habe die Bokeler Dorfgemeinschaft zusammengestanden, auf den Höfen Fleisch und Kartoffeln besorgt und damit von sich aus die befreiten Kriegsgefangenen versorgt, „um Schlimmeres zu verhindern.“

Kleine Behelfsheime gab es für Flüchtlingsfamilien, die ersten kamen 1942/43 aus dem Ruhrgebiet, nach Kriegsende folgten vor allem Vertriebene aus Schlesien. Auch an die Bettler erinnerte sich Bökamp, „jeden Tag kamen aus den ausgebombten Städten Menschen, im Schnitt wenigstens 10 Leute. Meine Oma hat oft bitterlich geweint, weil wir selbst nicht viel hatten und nicht allen etwas geben konnten.“

Schlagartig Schluss gewesen damit sei dann 1948 zur Währungsunion. „Das war wie ein Wunder als das Geld da war. Man konnte plötzlich fast alles kaufen“, so Heinz Bökamp. „Damit begann auch in Bokel eine ganz neue Zeit.“