Beim Yoga klappt die Integration wie von selbst

Es schult Körper und Geist, es hält fit und macht auch noch Spaß: Yoga. Für viele Frauen, die als Flüchtlinge nach Rietberg gekommen sind, ist es aber gar nicht so einfach, an einem regulären Kursus teilzunehmen – die Hemmschwelle ist oftmals zu groß.

Schon mit dem Tragen eines Kopftuches beginnen die Probleme. Denn Yoga mit einer solchen Kopfbedeckung ist viel zu gefährlich. Die Frauen könnten sich bei den Übungen damit strangulieren. Die Lösung in Rietberg lautet: ein Yogakursus nur für Flüchtlingsfrauen. Randa Sow, Sozialpädagogin und bei der Stadt Rietberg für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig, hat diese Idee entwickelt. Seit einigen Wochen trainieren zehn Frauen jeden Montag anderthalb Stunden bei Yogalehrerin Daniela Rodriguez in der Emsturnhalle. Sie ist Rietbergerin und gibt die Stunden ehrenamtlich. Sie spricht außer Deutsch und Englisch auch Spanisch, gute Voraussetzungen. „Darüber hinaus klappt die Verständigung im wahrsten Wortsinn auch mit Händen und Füßen ganz gut“, sagt die Trainerin.

Für Randa Sow ist diese wöchentliche Sportstunde mehr als „nur“ körperliche Ertüchtigung. „Es ist Integrationsarbeit im besten Sinn, denn das ganze Drumherum bringt die Frauen sehr viel weiter und führt sie in die deutsche Kultur ein.“ Die Sozialpädagogin meint damit vermeintliche Selbstverständlichkeiten wie pünktliches Erscheinen oder diszipliniertes Trainieren. Denn das ist typisch Deutsch, in anderen Ländern allerdings nicht unbedingt selbstverständlich. Bis alle im Kursus wussten, dass die pünktlich umgezogen auf der Yogamatte antreten sollen, hat es etwas gedauert. „Teilweise arbeiten wir immer noch daran“, sagt Randa Sow und lacht. Denn eines müsse man bei ihrer Arbeit immer mitbringen: Unendlich viel Geduld. Es geht voran, aber in kleinen Schritten.

Auf der Yogamatte das Kopftuch fallen lassen, damit haben die Teilnehmerinnen kein Problem, denn in der Emsturnhalle sind sie garantiert unter sich. Männer trainieren nicht mit. Randa Sow wünscht sich, dass die Frauen mit jeder Stunde selbstbewusster werden und sich demnächst vielleicht sogar den Besuch eines „normalen“ Kurses mit deutschen Frauen zutrauen.

Bild: Mehr als „nur“ Sport – In Rietberg gibt es einen Yogakursus nur für geflüchtete Frauen. Das Foto zeigt Lehrerin Daniela Rodriguez (vorn auf der Matte) sowie (von links) Randa Sow (Stadt Rietberg), Hana Al Halaq, Suhaila Alsaleh, Marwa Hashem, Walaa Edris, Asmaa Al Baba und Amera Al Baba. Foto: Stadt Rietberg

Quelle: Stadt Rietberg